Neubau Waldhunde

Umbau des bisherigen Raubtierhauses im Zoo Landau in der Pfalz zu einer Schau- und Zuchtanlage für südamerikanische Waldhunde (Speothos venaticus)

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Altes Raubtierhaus










Vorbemerkungen
Das Raubtierhaus mit dazugehörigen Außengehegen wurde 1977 erstellt und diente über die Jahrzehnte, teilweise wechselnd, der Unterbringung verschiedener Raubkatzenarten wie Pumas, Schwarze Leoparden, Jaguare und zuletzt Luchse. Die Außengehege wurden in den zurückliegenden Jahren zur Vergrößerung des Bewegungsraums für einzelne Arten zusammengelegt und das Stallgebäude erfuhr einige Sanierungs- und kleinere Umbaumaßnahmen, darunter eine Dachsanierung bzw. den Anschluss an ein Nahwärmenetz. In Bezug auf eine tiergerechtere Pflege auch nach stetig neuen Erkenntnissen zu Haltungsanforderungen wurde inzwischen eine längerfristige Unterbringung von Großraubtieren unter den gegebenen Bedingungen ausgeschlossen. Gleichsam wurden Überlegungen zu möglichen alternativen Tierhaltungen angestellt. Ziel war dabei, unter realistischen Finanzierungsbedingungen, durch Umbau und Erweiterung der vorhandenen baulichen Strukturen, zukünftig eine sinnvolle und attraktive neue Tierhaltung nach höchsten Standards zu ermöglichen. Aus diesen Überlegungen heraus, zur Entlastung des koordinierten europäischen Zuchtprogramms und zur Sammlung erster eigener Haltungserfahrungen, wurden im Sommer 2013 drei Waldhunde aus verschiedenen Zoos als Kleingruppe im Zoo Landau eingestellt.

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Waldhund










Warum Waldhunde für den Zoo Landau?
Nach eingehender Prüfung der Möglichkeiten und Anforderungen fiel die Entscheidung, das bisherige Raubtiergehege des Landauer Zoos für südamerikanische Waldhunde neu zu gestalten. Wichtige Argumente sprechen für die langfristige Haltung dieser Tierart. Gemäß der Roten Liste bedrohter Tierarten werden Waldhunde derzeit in der Bedrohungskategorie „near threatened“ geführt und sind nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) in der höchsten Schutzstufe 1 gelistet. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für diese Tierart umfasst europaweit derzeit nur 23 Haltungsinstitutionen mit einem Gesamttierbestand von 100 Tieren. Einschließlich des Zoos Landau gibt es nur sechs Haltungen in Deutschland mit insgesamt 15 Tieren. Auch deswegen herrscht zum Aufbau einer gesunden Zuchtbuchpopulation ein dringender Bedarf für gute zoologische Haltungseinrichtungen für Waldhunde. Für den Zoo Landau, der einen Schwerpunkt auf die Haltung seltener und bedrohter Tierarten setzt, bedeutet diese Tierart ein zusätzliches „Alleinstellungsmerkmal“, da Waldhunde allgemein nicht oft in Zoos zu sehen sind. Auch sonst sind Waldhunde eine große Bereicherung für den Tierbestand des Zoos, da bisher aus Platzgründen andere rudellebende, hundeartige Fleischfresser wie Wölfe, Afrikanische Wildhunde oder Asiatische Rothunde nicht repräsentiert sind. Als Beleg kann gelten, dass bislang durchgängig positive und interessierte Reaktionen auf die Präsentation der sehr aktiven Waldhunde bei den Besuchern festzustellen sind. Auch aus didaktischen Gründen ist die Tierart für die Landauer Zooschule sehr interessant und in der Zoopädagogik gut als Vergleichsart zu anderen „Raubtieren“ nutzbar. Waldhunde zeichnen sich außerdem durch weitere interessante Besonderheiten aus, wie eine sehr komplexe Sozialstruktur der Rudel oder spezielle anatomische Anpassungen, wie ein gedrungener Körperbau, der für die in der Natur sehr heimliche Lebensweise in dichtem Buschwerk und Unterholz spricht. Die Pfoten dieser in Gruppen jagenden Beutegreifer verfügen wegen der üblichen Lebensweise entlang von Gewässern über Schwimmhäute zwischen den Zehen. Schlussendlich sind auf der baulichen Grundlage des bisherigen Raubtierhauses nach realistischen Investitionen die Haltungsanforderungen für Waldhunde in vorbildlicher Weise erfüllbar.

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Wie soll umgebaut werden?
Als Grundlage für die Planungen dienten die Angaben zu den Haltungsanforderungen gemäß der neusten überarbeiteten Auflage (2009) des Fachbuchs „Zootierhaltung – Tiere in menschlicher Obhut, Band: Säugetiere“, die aktuell gültige Fassung der Haltungsrichtlinien für Waldhunde des Europäischen Zoo- und Aquarien-Verbandes, EAZA (EEP Husbandry Guidelines for Speothos venaticus) sowie die Angaben gemäß der aktuellen Arbeitsversion des BMLEV „Gutachtens über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“. Zudem flossen eigene Erfahrungen aus der derzeitigen Haltung der Tierart im Zoo Landau in die Planungen ein.
Zu den wesentlichen Anforderungen für einen Umbau zählen die Erweiterung der Innengehege auch in der Form, dass die Besucher, im Gegensatz zu bisher, zukünftig über drei bodentiefe Schaufenster die Tiere in einem attraktiv und tiergerecht gestalteten Innengehege beobachten können. Insbesondere bei schlechtem Wetter oder in den Wintermonaten wird das Innengehege zu den bevorzugten Aufenthaltsorten der Waldhunde zählen. Die Außenanlage wird flächenmäßig fast auf das Doppelte in Richtung Zoowiese und Zoogaststätte erweitert. Die Gestaltung des Geheges wird sich am natürlichen Lebensraum der Tierart orientieren. Dazu gehören die Strukturierung mit Natursteinen, Hölzern und verschiedenen Bodensubstraten genauso wie die Ergänzung um ein großes Schwimm- und Tauchbecken für diese in der Wildbahn wassergebunden lebende Tierart. Als belebendes Element wird dieses durch einen natürlich gestalteten Bachlauf gespeist. Auch eine vorübergehende Unterteilbarkeit der Außen- und Innengehege ist vorgesehen, um eine zeitweise ggf. notwendige Abtrennung von Einzeltieren bei Unverträglichkeit oder bei Nachzucht gewährleisten zu können. Die bisher vorhandenen massiven Gitterkonstruktionen der Außengehege sollen weitgehend rückgebaut und durch weniger dominante und transparente Gehegebegrenzungen, teilweise mit Einblickscheiben, für die Besucher ersetzt werden.
Die Bruttobaukosten von voraussichtlich 206.000 € werden gemäß Beschluss des Vorstandes zu 30 % vom Freundeskreis des Landauer Tiergartens e.V. bezuschusst.

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